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Es ist Ende Juli 2026. Ich mache jetzt einen weiteren Versuch, meine persönliche Internetseite anzulegen. Ich bin 81 Jahre alt, habe meine selbstständige Tätigkeit zu Ende September 2019 beendet und Bob's Music abgemeldet. Nach 32 Jahren schien es mir an der Zeit, privat zu werden.

Ich kam am 23.8.1944 im Hamburg-Eppendorfer Krankenhaus zur Welt. Meine Mutter, Raimonda Anna Elisabeth Hertwig (6.7.1922 - 3.10.1966), mein Vater Robert Baudrier, ein kriegsgefangener Zwangsarbeiter, Franzose, Alter unbekannt, vermutlich in etwa so alt wie meine Mutter. Aufgewachsen bin ich bei meiner Großmutter Agnes Hertwig (15.1.1894 - 24.6.1975). Ihr Mann, Karl Hertwig aus Gera, verstarb frühzeitig in den 1930er Jahren an einer Blutvergiftung.

Wir wurden 1944 ausgebombt und zogen ins Wochenendhaus im Hamburg-Niendorfer Ohemoor, Wikingerweg 81, wenig später umbenannt in Ohmoor 81. Dort wohnten meine Oma, meine Mutter und ich. 1946 ließ meine Oma ein kleines Haus aus Trümmersteinen bauen. Es hatte Küche, Wohn- und Schlafzimmer auf 32 Quadratmetern. Unter dem Spitzdach gab es einen Boden, den man über eine Leiter erreichte. Oma Agnes hatte eine Arbeit in der HaMaFa (Hamburger Marzipan Fabrik) in der Christian-Förster-Straße. Meine Mutter fand Arbeit beim Engländer und reinigte die Zimmer der in Harvestehude wohnenden britischen Soldaten. Wegen der unklaren und von meiner Mutter nicht offengelegten Vaterschaft stand ich von Anfang an unter Beobachtung des Jugendamtes, was bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr anhielt. Ich kam schon als Baby in die Kinderkrippe des Berenberg-Gossler-Hauses am Niendorfer Kirchenweg.

Eines Tages, es war wohl 1947, klopfte eine blonde Frau an unsere Tür. Sie sagte, sie sei die Frau von Albert (31.7.1919 - 12.11.1987), dem Bruder meiner Mutter. Ihr Name sei Lydia Woigas und sie komme aus Reval (seit Langem Tallin) in Estland. Lydia war fünf Jahre älter als Albert . Meine Oma hatte keine Ahnung davon, dass Albert geheiratet hatte. Er war in russischer Gefangenschaft und kam 1948 frei. Lydia wohnte in der Wochenendhütte, in der wir vor dem Einzug ins neugebaute Haus wohnten. Sie fand Arbeit bei einem Bauern, der Tabak anbaute. In der Bude hingen stets Tabakblätter zum Trocknen und Lydia rauchte gern. Albert fand Arbeit als Hausdiener im Hotel Vier Jahreszeiten. Eines Tages brachte er mir das Buch "Billy schafft Ordnung" von Billy Jenkins mit. Der hatte das Buch Aristotelis Onassis zum Stapellauf seines neuen Schiffes geschenkt. Der wollte es wohl nicht haben und so kam Albert Hertwig zu dem Werk. Ich habe das Buch gelesen und habe es noch heute. Es enthält auch eine handschriftliche Widmung und einige Fotos.

Als Kleinkind kam ich in die Gruppen der größeren Kinder bis ich zehn Jahre alt wurde. Meine Mutter heiratete Wolfgang Ullrich, wohl um den Namen Hertwig loszuwerden. Anschließend war ich noch in einer privaten Kinderbewahrung im Grotkoppelweg, wo es mir nicht gefiel und wurde dann ein Schlüsselkind.

In der Erikastraße, die alsbald nach dem Krieg in König-Heinrich-Weg umbenannt wurde, hatten die Bohnsacks ein Haus gebaut. Dort hielt ich mich oft auf, spielte mit Christa und fuhr mit ihrem Vater Erich in dessen Motorradbeiwagen bis an die Ostsee.

Mit fünf lernte ich Uhlemann kennen. Er kam mit Mutter und Bruder Thomas aus dem Schwarzwald. Die Mutter hatte sich von ihrem Mann getrennt und wollte zurück in den Norden. Aus Uhlemann wurde mit den Jahren Ullrich Kammigan - wir nannten ihn "Kämmi". Ich bin immer noch mit ihm befreundet.

Meine Mutter ließ sich scheiden, behielt aber den Nachnamen. Sie ging nach Schweden, um dort zu arbeiten und anschließend nach England, erst nach Chelmsford und dann nach Hackney, Ostlondon. Dort besuchten meine Oma und ich sie ein paarmal. Mit der Eisenbahn nach Hoek van Holland, mit der Fähre nach Harwich und dann mit der Eisenbahn nach Chelmsford bzw. London. Mit sechs schulte man mich in der Grundschule Niendorf Markt ein, mit acht wurde ich in der Niendorfer Kirche am Markt getauft. Als ich zehn Jahre alt war, wurde es bei uns im Ohmoor unruhig. Oma Agnes war in großer Sorge, denn mein Vater hatte sich angekündigt, um mich in Augenschein zu nehmen. "Dass du ja nicht in sein Auto steigst!" ließ sich Oma Agnes vernehmen. Das tat ich aber doch, es war alles harmlos und ging viel zu schnell vorüber. Mein Vater war ein eher zierlicher Mann mit schon leicht ergrautem Haar, mit einem angenehmen Gesicht und in Begleitung seiner Ehefrau. Er fuhr ein schwarzes französisches Auto und wir fuhren nur unsere Straße zu Ende, dann in den Keltenweg und wieder zurück. Damit war der Besuch vorüber und Oma Agnes konnte wieder normal atmen. Ich glaube, Albert und Raimonda hatten später noch mehrmals Kontakt mit Herrn Baudrier.

Mit 13 kam ich in die Mittelschule am Bindfeldweg, mit 15 wurde ich konfirmiert und mit 16 verließ ich die Schule mit der Mittleren Reife. In diesem letzten Schuljahr brachte ich mir selbst bei, mit Bohnsacks Laute vertraut zu werden. Ein Lehrer spielte Laute und das fand ich ziemlich gut. Irgendwann in der Lehrzeit kaufte ich mir eine Höfner-Gitarre.

Kantor Gerhard Emde zeigte mir, wie ich aus der Posaune ein paar Töne herausholen kann. In dieser Zeit (1960/1) legte sich bei mir ein Interesse fürs Musikmachen an. Ich spielte in der Skiffle Group von Joachim Ließ, genannt Pute, und konnte ganz gut singen.

Im April 1961 kam ich in die Lehre bei C.B.Franz Jessen, einer kleinen Exportfirma im Klopstockhaus in der oberen Poststraße. Die Lehre dauerte drei Jahre, die Berufsschule befand sich am Lämmermarkt. Als die Lehrzeit herum war, musste ich mir eine andere Arbeitsstelle suchen und heuerte bei Plath und Sack in der Spitalerstraße an. Auch eine kleine Exportfirma. Ich wurde gemustert und bekam einen Einberufungsbescheid zum 1.1.1965. Kurz vorher lernte ich Charlotte Grams bei C.B.Franz Jessen kennen. Eine sehr sympathische Frau mit einem wunderbaren Lächeln. Ich kam nach Stade und blieb in der Schreibstube der Ausbildungskompanie. Das waren zwei schöne Jahre, ich lernte ein paar nette Leute kennen, mit denen ich leider keinen Kontakt hielt. Weil ich aus der gesetzlichen 18-monatigen Wehrdienstzeit zwei Jahre gemacht hatte, der Wehrsold war mir zu gering, kündigte mir Plath und Sack.

Im Oktober 1966 erhielt ich die Nachricht vom Tod meiner Mutter verbunden mit der Bitte, nach England zu kommen um an der Einäscherung teilzunehmen und die Asche mit nach Deutschland zu nehmen. Meine Mutter hatte sehr oft versucht, sich das Leben zu nehmen und dies war nun der letzte Versuch gewesen.

Ich fing Anfang Januar 1967 bei Curaçao Trading am Ballindamm an. Die Firma zog alsbald in die Spaldingstraße. Dann erhielt ich ein Telegramm von Plath und Sack, man wollte wissen, ob ich doch wieder dort arbeiten wolle. Ich kündigte bei Curaçao und arbeitete bis Juni 1969 bei Plath und Sack.

Inzwischen hatte ich am 22. September 1967 aus Charlotte Grams Charlotte Hertwig gemacht. Ich war zum Jahresende bei Oma Agnes ausgezogen und wir bezogen eine Wohnung in Blumen Schütts Neubau am Sethweg 43. Loo brachte am 12.4.1968 im Schnelsener Albertinenkrankenhaus Regina zur Welt. Charlotte, alle Welt nannte sie Loo, arbeitete noch bei C.B.Franz Jessen und verdiente deutlich mehr als ich, was daran lag, dass sie über zehn Jahre älter ist als ich.

Nun kündigte sich unser zweites Kind an. Roland kam am 10. Juni 1970 ebenfalls in Albertinen zur Welt. Loo würde nun nicht mehr arbeiten können und ich müsste nun deutlich mehr verdienen. Ich hatte mit Albert Sack um ein höheres Gehalt verhandelt. Als er nicht so wollte wie ich, studierte ich Stellenanzeigen im Hamburger Abendblatt. Loo fand dann eine Anzeige der Teldec, die einen Assistenten in der Exportabteilung suchte. Ich ging hin und bekam die Stelle und nahezu das Gehalt, das ich haben musste.

Bei der Teldec (Telefunken-Decca Schallplatten GmbH) war ich von Juli 1969 bis Dezember 1986. Ich lernte die Firma von Grund auf kennen, sah, wie man es richtig machen kann und wie manche Leute viel falsch machten.

Ursprünglich wollten wir vier Kinder haben, ließen es dann aber, weil es Loo schon so genug zu tun hatte und auch nie richtig ohne Beschwerden war. Kurz darauf zogen wir nach Schnelsen in einen neu gebauten Wohnblock der SAGA, Vörn Brook 11, erster Stock rechts. Es war völlig neu für mich in so einem großen Haus zu wohnen doch nicht nur das: Die Umgebung war ganz ähnlich. Dort wollten wir nicht länger als nötig bleiben. Wir ließen uns von Paul Nolden, einem ehemaligen Architekten beraten und unternahmen die nötigen Schritte, um Wohnungseigentum zu bilden. Ende 1979 zogen wir in einen Neubau mit 18 Wohneinheiten in Schnelsen-Burgwedel. 2 2/2 Zimmer im zweiten Obergeschoss rechts im Burgwedelkamp 23. Hier wohnen wir beiden immer noch.

Die Teldec wurde allmählich gegen die Wand gefahren und ich verlor Ende 1986 meinen Arbeitsplatz. Aus der Teldec wurde EastWest Records und erhielt eine neue Geschäftsleitung, die den Niedergang jedoch auch nicht aufhalten konnte.

Nach einer Weile des Wundenleckens kam mir die Idee einer selbstständigen Tätigkeit, sehr zum Schrecken meiner lieben Frau. Ich hatte gemerkt, dass es ziemlich viele gutbetuchte ältere Menschen gibt, die sich für die Musik ihrer Jugend interessieren und dafür sogar Geld ausgeben würden. Ich fand einen Schellackplattensammler in Wuppertal, der bereit war, für Geld seine Platten auf Tonband zu überspielen. Eberhard Ganschow und später Karl-Heinrich Jordan aus Bad Harzburg schufen den Grundstock für mein Repertoire. Herr Jordan verlangte übrigens kein Geld dafür. Meine Produktidee war, zwei MusiKassetten in einer taschenbuchartigen Schachtel, genannt BobSette, mit Swing-, Tango- und Foxtrott-Musik anzubieten. 32 Aufnahmen für 24,90 DM. Es dauerte eine Weile, bis sich das herumgesprochen hatte. Ich hatte ziemlich viel in Seniorenblättern inseriert, und allmählich entwickelte sich die Sache. Erste Bestellungen kamen auch aus der DDR. 1994 überredete mich Rolf Bähnk, es doch mit einer CD zu versuchen. Mir war es nicht so recht, weil meine Reproduktionen ganz nah am Original waren: hörbar Schellack eben, mit Knackern und Hackern. Dennoch: die CD lief gut und so blieb es fortan bei Bob CDs. 2006 gelang es mir, die Traditionsmarke ULTRAPHON im Markenamt für Bob's Music einzutragen. Warner hatte eine Verlängerung versäumt.

Ein Jahr vor Bob's Music, also 1986, gründete ich eine Bläsergruppe, mit der ich im Stil von Johannes Kuhlo Musik für die Leut' machen wollte. Volkstümliches, Geistliches, aber auch flotte Sachen aller Art, die Laienbläser einigermaßen passabel auf der Straße darbieten können. Die Gruppe erhielt von Pastor Wolfgang Voigt den Namen Posaunix. Die Arrangements schrieb ich selbst, weil ich ganz gut weiß, wie hoch oder wie tief ein Laie spielen kann und sich das dann auch noch ansprechend anhört. Näheres können Sie in meinem Internettagebuch nachlesen, falls Sie das interessiert. Klick

Inzwischen sind die Kinder ausgezogen, unsere Tochter 2008 an Krebs gestorben. Ihre Tochter Elina, unser einziges Enkelkind, lebte in Eppelheim bei Heidelberg, inzwischen in Ludwigshafen am Rhein. Sie hat ihr Studium mit Auszeichnung abgeschlossen und arbeitet jetzt bei Hitachi. Roland lebt und arbeitet in Berlin und Stephan mit Heiko in München. Man sieht sich an runden Geburtstagen, schickt E-Mails und wünscht sich alles Gute. Ich weiß, Familie geht eigentlich anders, aber was will man machen? Mir ging es gesundheitlich bis vor zwei Jahren noch ganz leidlich. Meine Prostata schwoll dann immer weiter an und drückte auf den Harnkanal, worauf eiligst eine Umleitung gelegt wurde. Die trug ich die nächsten Wochen, bis es im Dezember zur Prostataschälung kam. Ich blieb eine knappe Woche im Krankenhaus und wurde wieder auf die Menschheit losgelassen.

4. 2. 2024 Heute ist Loos 90. Geburtstag. Roland aus Berlin und Stephan mit Heiko aus München kommen, um zu gratulieren. Loos Gesundheitszustand ist besorgniserregend. Ihr Körper tut ihr fast überall weh, vor allem die Gelenke, doch ihr Geist ist wach, ihr Wille stark. Sie erhält einige Glückwünsche, die ich ihr ausdrucke.

23. 8. 2024 Heute ist mein 80. Geburtstag. Stephan und Heiko kamen mit dem Auto aus München. Georg Grell kommt um 11 Uhr und bringt mir einen großen Blumenstrauß mit allerlei Glückwünschen der Posaunixbläser. Sehr nett. Im Lauf des Tages treffen einige E-Mails mit Glückwünschen ein. Ich hole gegen Abend Essen vom Chinesen Ho. Loo kann leider nicht mehr die Treppen steigen und deshalb müssen wir zuhause essen.

15.9.2024 Loo klagt über starke Schmerzen im Bauchbereich. Die Notärztin veranlasst den Transport ins Albertinen  Krankenhaus. Dort kommt sie in die Notfallambulanz. Man diagnostiziert eine Gallenkolik, legt einen Stent, der kaum Linderung bringt. Sie wird auf Station 5 gelegt und bleibt dort bis ihre Zeit um ist. Sie wird von dort zur Reha nach Bergedorf gebracht und zwei Wochen dort behalten und anschließend wieder ins Albertinen KH gefahren. Ich höre mich nach einer Kurzzeitpflegestelle um und werde dank Albert Borde fündig bei der  Diesterweg Stiftung in Stellingen, wo sie 21 Tage bleibt. In dieser Zeit wird Roland aktiv und kümmert sich um die Einrichtung im Hinblick auf Loos Rückkehr. Er bestellt einen Kühlschrank, eine Waschmaschine, ein neues Gästeklo, und ein Handwaschbecken und lässt alles fachgerecht einbauen. Ich darf es dann nur noch bezahlen. Und er organisiert ein Krankenbett. Das alles ist  mir eine  große Hilfe.

Seit dem 4.11.2024 ist Loo wieder zu Hause. Wir haben das Pflegeteam Lürssen beauftragt, sie täglich morgens zu waschen und für den Tag fertig zu machen. Loo kann nicht selbstständig gehen und muss hin und her gerollt werden. Das Essen bereite ich zu, so gut ich kann. Ebenso erledige ich alle notwendigen Handreichungen. Hin und wieder kommt Stephan aus München und unterstützt mich. Er kann prima kochen.

Am 7.1.2025 lasse ich mein rechtes Auge mit einer Linse versehen. Leider bleibt das ohne Wirkung, weil ich dort auch noch Grünen Star habe. Ich kann zwar ein wenig rechts am Rand sehen, aber das reicht bei weitem nicht aus. Meine Augenärztin legt mir dringend ans Herz, mein linkes Auge ebenfalls operieren zu lassen. Ich bekomme einen Termin zum 12. August 2025. Es ist eine ambulante OP, der eine elend lange Wartezeit vorausgeht. Die OP selbst ist schnell gemacht. Ich kann mit dem linken Auge jetzt zufriedenstellend sehen.

Inzwischen bin ich bei Posaunix wieder voll eingestiegen. R.H.30.7.2026