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Der Posaunenchor und das liebe Geld.

Über Geld spricht man bei Kirchens nicht gern. Schließlich möchte man keine Begehrlichkeiten wecken. Wahrscheinlich deshalb sind Angaben über Vergütungen für Posaunenchorleiter im Internet kaum zu erhalten. Auf einer EPiD-Forumseite gibt es eine Menge Eintragungen, die allerdings keine Zahlen nennen.

Erhält der Chorleiter eine Vergütung, muss er wohl für alle gewünschten Einsätze im kirchlichen Bereich zur Verfügung stehen: Regelmäßig an Gottesdiensten teilnehmen und Konzerte geben. Er ist dann meines Erachtens nicht so frei, wie jemand, der kein Geld erhält.

Für den Raum, in dem die Posaunenchorprobe stattfindet, ob Kirche oder Gemeindesaal, könnte die Gemeinde eine Miete verlangen. Ebenso ein Entgelt für Licht und Reinigung. Wenn sie das nicht tut, hat sie eine Handhabe, den Chor zu einem gewissen Entgegenkommen hinsichtlich gewünschter Auftritte zu bewegen.

Es gibt Posaunenchöre, deren Chorleiter keinerlei Vergütung für ihre Tätigkeit erhalten und andere, deren Chorleiter von der Gemeinde oder einer anderen kirchlichen Stelle bezahlt werden.

Als ich 1986 mit meiner Bläserei in Niendorf anfing, war nicht von Geld die Rede. Nach drei Jahren, als man sah, dass sich die Sache gut anließ, hieß es, ab jetzt erhalten Sie eine Aufwandsentschädigung. Ich weiß es nicht mehr genau, aber es waren wohl 230 Mark im Monat.

1996 verließ ich die Kirche mit den Bläsern und wir probten im Musiksaal der Gesamtschule Niendorf, wo einer unserer Bläser Lehrer war. Da gab es keine Vergütung, ist ja klar. Allerdings forderte man nach einiger Zeit eine Miete für die Raumnutzung. Dann gab es eine Mieterhöhung und dann noch eine. Und die war dann unverschämt hoch. Deshalb verließen wir 2006 die Schule und wechselten an die Kreuzkirche Stellingen.

In Stellingen benutzen wir den Gemeindesaal einmal in der Woche für zwei Stunden, und zwar unentgeltlich. Als Gegenleistung nehmen wir am jährlichen Osterfeuer, an den Flohmärkten, am Pflanzenmarkt, am Sommerfest, an dem Gedenken an die Kriegstoten am Volkstrauertag, an Veranstaltungen der Kantorei, zu denen wir eingeladen werden und an der Seniorenweihnachtsfeier und an der Christvesper teil. Mit Ausnahme dieser Seniorenfeier, der Christvesper und der gelegentlichen Kantoreiveranstaltungen sind das alles Auftritte unter freiem Himmel. Früher nahmen wir hin und wieder auch an Gottesdiensten teil, werden dazu aber schon seit Längerem nicht mehr eingeladen. Wir sind der Gemeinde zu laut, heißt es.

Und so bleibt uns Zeit, unsere Standmusiken durchzuführen. Wir stellen uns dort auf, wo wir zahlreiche Zuhörer erwarten. Dazu legen wir ein Infoblatt, und einen Mitsingezettel aus und stellen einen Sammeltopf auf. Hin und wieder werden wir engagiert: Für Laternenumzüge, für einen Basar, fürs Weihnachtsingen. Für alle Verpflichtungen außerhalb der Stellinger Kirche bitten wir um ein Notengeld.  

Auf einen Etat für unseren Posaunenchor verzichten wir. Wir finanzieren uns selbst. Für den Fall, dass wir ein Konzert geben, gehen eventuelle Spenden je zur Hälfte an die Kirchengemeinde und an uns. Andere Absprachen sind möglich: Zu unserem 30-jährigen Jubiläumskonzert dürfen wir die Einnahmen ganz behalten. Wir haben das Geld dem Haus Erlenbusch in Volksdorf gespendet. Einmal im Jahr gehen wir mit Ehepartnern lecker essen. Am 5. Mai 2018 geben wir Geld an eine Niendorfer Obdachlosenhilfe. - Falls wir Bedarf an einer größeren Geldsumme haben, stellen wir einen Antrag und hoffen auf eine Zusage. So geschehen bei einem Richard Roblee-Workshop. Den Jahresbeitrag für die Posaunenmission der Nordkirche bezahlten wir, sind dort aber inzwischen ausgetreten.

Robert Hertwig 13.8.2016 ergänzt am 24. 1. und 30. 3. 2018.